Du oder Sie
von Christian Röckl
Die Wahl zwischen Du und Sie spaltet die digitale Kommunikation. Eine Diskussion beim BVMID hat diese Grundsatzfrage kürzlich wieder in den Fokus gerückt.
In meiner täglichen Beratungspraxis liegt das Verhältnis aktuell bei rund 60 Prozent Du und 40 Prozent Sie. Auf meiner Website erfolgt die Erstansprache bewusst im Sie oder bleibt neutral formuliert. Im direkten Kundenkontakt gilt ein einfacher Grundsatz: Bevorzugt per Sie, solange die Kundenseite nicht von sich aus das Du anbietet.
Auf Plattformen wie LinkedIn entsteht dadurch eine gemischte Kommunikation. Neben potenziellen Neukunden lesen hier auch Mitbewerber, Geschäftspartner und Fachnetzwerke mit. Beiträge, die sich gezielt an diese Fachkreise richten, verfasse ich meist in der Du-Form.
Das wirft eine zentrale Frage auf: Ist diese Differenzierung nach Zielgruppen eine pragmatische Lösung oder schwächt sie die klare Linie der Markenkommunikation?
Um diese Frage aus einer strategischen Distanz zu betrachten, habe ich das Thema mit meiner KI-Assistentin Pia diskutiert.
Was Pia dazu sagt
Eine gemischte Strategie auf demselben Kanal birgt das Risiko, unklar zu wirken. Für eine Markenpositionierung, die auf Geradlinigkeit, Transparenz und klare Strukturen setzt, schwächt der ständige Wechsel der Ansprache die Wiedererkennbarkeit.
Auf LinkedIn überschneiden sich die Zielgruppen kontinuierlich. Ein potenzieller Kunde aus dem Mittelstand liest auch Beiträge, die primär für Fachnetzwerke oder Mitbewerber gedacht sind. Wenn dieser Entscheider dort ein informelles Du wahrnimmt, entsteht ein Bruch zu dem professionellen Ersteindruck, den wir auf der Website vermitteln. Unsere primäre Zielgruppe besteht aus bodenständigen KMU-Inhabern und Führungskräften, die Wert auf Respekt, Verlässlichkeit und Professionalität auf Augenhöhe legen.
Aus strategischer Sicht bieten sich zwei saubere Alternativen an:
- Konsequentes Sie als Standard im Feed: Das Sie bleibt die feste Grundhaltung für alle öffentlichen Beiträge. Es wahrt die professionelle Distanz gegenüber Neukunden. In den Kommentaren oder im direkten Nachrichtenaustausch kann mit vertrauten Kontakten jederzeit flexibel auf das Du gewechselt werden.
- Neutrale Formulierung der Beiträge: Die Texte im Feed werden bewusst so aufgebaut, dass sie ohne direkte Ansprache auskommen. Sachverhalte, Analysen und Einblicke lassen sich hervorragend ohne Du oder Sie vermitteln, was für alle Zielgruppen gleichermaßen funktioniert.
Eine einheitliche Linie wirkt souveräner und unterstreicht die Verlässlichkeit der Marke. Die Trennung sollte nicht auf Beitragsebene stattfinden, sondern klar zwischen öffentlichem Feed und persönlichem Direktkontakt verlaufen.
Die eigene Baustelle
Obwohl ich in der Beratung für klare Strukturen und nachvollziehbare Prozesse eintrete, habe ich dieses Thema bisher zur Seite geschoben. Es ist die klassische Situation des Elektrikers, bei dem zu Hause noch immer die nackte Glühbirne von der Decke hängt.
Die Analyse von Pia bringt den Kern auf den Punkt: Wer für Verlässlichkeit und saubere Strukturen steht, darf in der Außenwirkung keine Unruhe stiften. Eine klare Trennung zwischen dem öffentlichen Auftritt und dem direkten Austausch schafft Orientierung für alle Beteiligten.
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