Warum digitale Marken jetzt Themenparks bauen
von Christian Röckl
Digitale Marken waren lange stolz darauf, ohne physische Präsenz wachsen zu können. Plattformen, Streamingdienste und Games skalierten über Bildschirme, Abonnements und Algorithmen.
Der „State of the Internet 2026“ beschreibt jedoch eine Gegenbewegung: Erfolgreiche digitale Marken investieren zunehmend in reale Erlebniswelten. Was zunächst paradox wirkt, ist strategisch hochlogisch. Wenn digitale Aufmerksamkeit knapp wird, gewinnt physische Erfahrung an Wert.
Diese Entwicklung lässt sich als Übergang vom Digitalen ins Physische beschreiben. Marken, die online riesige Reichweiten aufgebaut haben, suchen nach neuen Wegen, ihre Intellectual Property (Geistiges Eigentum), Figuren, Welten und Communities zu monetarisieren. Netflix House, Minecraft-Erlebniswelten oder Freizeitpark-Konzepte rund um digitale Inhalte zeigen, dass Intellectual Property nicht mehr nur gestreamt oder gespielt wird. Sie wird begehbar, fotografierbar und sozial teilbar.
| Digitales Asset | Physische Erweiterung | Strategischer Nutzen |
|---|---|---|
| Serien und Filme | Erlebnisorte, Stores, Pop-ups | Vertiefung der Fanbindung |
| Games | Themenparks und Events | Community-Erlebnis außerhalb des Screens |
| Creator-Marken | Live-Formate und Merchandise | Zusätzliche Erlösquellen |
| Regionale Marken | Freizeit- und Familienangebote | Differenzierung durch Erlebnisqualität |
Ein besonders interessantes Beispiel ist Karls Erdbeerhof, das im Video als deutsches Offline-Entertainment-Wunder eingeordnet wird. Die Marke zeigt, dass Erlebnisökonomie nicht nur für globale Medienkonzerne relevant ist. Auch regionale Anbieter können durch konsequente Inszenierung, Wiedererkennbarkeit und Familienorientierung zu starken Erlebnisplattformen werden. Der Erdbeerhof ist dann nicht nur Verkaufsort, sondern Ausflug, Content-Motiv, Erinnerungsraum und Markenwelt zugleich.
Für Marketingverantwortliche ergibt sich daraus eine klare Konsequenz:
Marken müssen nicht nur kommunizieren, sondern Erlebnisse schaffen. In einer Welt, in der digitale Anzeigen übersprungen, Feeds überflutet und Inhalte austauschbar werden, entsteht Differenzierung durch Situationen, die Menschen freiwillig besuchen, fotografieren und weitererzählen. Physische Räume erzeugen eine andere Form von Aufmerksamkeit, weil sie Zeit, Körperlichkeit und soziale Erfahrung verbinden.
Das bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen sofort einen Themenpark bauen sollte. Entscheidend ist das Prinzip dahinter. Auch kleinere Marken können Pop-up-Erlebnisse, Live-Events, Workshops, lokale Community-Treffen oder begehbare Produktinszenierungen entwickeln.
Die zentrale Frage lautet: Wo kann die Marke aus dem Feed heraustreten und im Leben der Menschen konkret erfahrbar werden?
Der eigentliche Trend ist damit größer als Freizeitparks.
Es geht um die Rückkehr des Raums als Marketingmedium. Marken, die bisher nur digital existierten, schaffen nun physische Orte. Klassische Unternehmen mit eigenen Standorten müssen diese Räume stärker als Bühne für Inhalte, Gemeinschaft und Identität nutzen. Wer 2026 sichtbar bleiben will, sollte nicht nur prüfen, wie die Marke digital funktioniert, sondern vor allem, welche realen Momente sie erzeugt.
Quelle: YouTube-Video „OMR State of the Internet 2026“,
https://www.youtube.com/watch?v=4Z4EevctSRQ
Das könnte Sie auch interessieren
Zurzeit sind keine Nachrichten vorhanden.